Cessna Skyhawk - Tobias Mahlberg

4U9525 und mögliche Folgen [Kommentar]

In diesem Jahr saß ich bereits rund 50 Stunden in Flugzeugen. Von einmaligen Sonnenaufgängen bis zu unausstehlichen Turbulenzen war alles dabei, ebenso von A380 bis zur Cessna für 4 Personen. Wo fühlte ich mich am besten aufgehoben? In der winzigen Cessna direkt neben dem Piloten. Es war einfach ein gutes Gefühl zu sehen, dass der Pilot eine Begeisterung für die Fliegerei versprüht, die zeigte, er will noch tausende Male wieder in den Äther steigen. Ihm ging es nicht darum einen Job zu erfüllen, den jeder mal leid sein könne und in Monotonie ausarten würde, er brannte dafür. Die wunderbarste Geste war es, als er mir sein iPhone in die Hand drückte, um einen Sonnenaufgang zu fotografieren.

Das alles war vor den schrecklichen Ereignissen, die in dieser Woche die Fliegerei überschattet haben. In großen Lettern wird derzeit der Schuldige der Germanwings-Katastrophe mit Namen und Bildern durch das Dorf getrieben, ohne an seine Hinterbliebenen zu denken. Niemandem ist damit geholfen das Gesicht zu sehen, niemandem ist damit geholfen sein Elternhaus zu sehen und auch mit seinem vollen Namen kommt aktuell niemand weiter. Dies sind Informationen für unsere Geschichtsbücher, wenn der Fall komplett aufgearbeitet ist und sich einreichen lässt in die Gräueltaten von Erfurt, Winnenden und Co.

Ebenso ist es nicht an der Zeit für Schnellschüsse, wie sie aus der Politik gefordert werden. Es gab in der Vergangenheit Piloten, die ihre Macht ausgenutzt haben und gleiche Taten vollbrachten. Es war bekannt und trotzdem war es möglich.

Mögliche Veränderungen nach 4U9525

Wieso wird ein Pilot nicht gezwungen mit den Passagieren zu interagieren? Meine feste Überzeugung ist, dass jeder Mensch sein Leben beenden kann und dazu 37 Tonnen Stahl gegen die Alpen donnern würde – ich glaube aber nicht, dass jemand diesen Schlussstrich ziehen könnte, wenn er vorher gesehen hat, wie eine Schulklasse eingestiegen ist. Es muss eine menschliche Brücke geschaffen werden, die ab von allen Verträgen und Vereinbarungen sagt: „du hast eine  Verantwortung, erfülle sie“.

Bei jedem Taxi- oder Busfahrer kann ich ihm vor der Fahrt zumindest in die Augen schauen, bei Bedarf auch noch mit ihm reden und mir ein Bild machen. Nur die Damen und Herren im Cockpit scheinen sich als etwas höheres zu sehen und verstehen die menschliche Seite eines jeden Berufs nicht. Es geht um Vertrauen, nicht nur in Technik, sondern auch und gerade in den Menschen. Das ist in unserer Gesellschaft verloren gegangen, wo wir uns von TÜV-Siegeln und anderen Prüfzeichen auf Sicherheit verlassen wollen. Dass es eine menschliche Seite gibt, das haben wir gelernt zu übersehen.

Fazit – Vertrauen muss geweckt werden

Menschen müssen wieder beginnen für Vertrauen zu sorgen. Sei es der Pilot, der vor dem Flug jedem Passagier die Hand gibt oder sei es eine andere Möglichkeit. „Hinterm Horizont geht’s weiter“ singt Udo Lindenberg. Und so ist es, wir werden auch weiterhin fliegen, wir werden auch weiterhin unser Leben in die Hände anderer geben müssen und ob dort nun zwei, drei oder vier Piloten sitzen, Flug 4U9525 könnte sich immer wiederholen.

Ein Kommentar von Tobias Mahlberg, 26. März 2015

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