Tobias Mahlberg im Bundestag, Berlin

Rassismus in Deutschland bekämpfen [Kommentar]

Nach den Stammtischparolen, die die Einstellung unseres sonst so offenen Europas derzeit zu dominieren scheinen, folgen nun Ausschreitungen vor Flüchtlingsheimen. Bei dieser aktuellen Meinungsmache und dem öffentlich verbreiteten Hass gegenüber Fremden empfinde ich Trauer und Scham für unser Land.

Der Titel dieses Blogs ist „heimwehlos“. Von mir kann ich es behaupten, da ich freiwillig in andere Länder ging, teils zum Leben/Studieren, teils zum Reisen. Immer wurde ich mit offenen Armen empfangen und immer wurde mir gezeigt, dass ich willkommen bin. Es war immer eine Freude mit Menschen mit einem anderen Horizont zu reden und um Ideen zu ringen. Mich hat es reicher gemacht und auch wenn ich Kulturwirtschaft studierte, so ist mir bis heute nicht klar, wieso wir Grenzen zogen und diese so vehement verteidigen. Nur weil jemand ein paar Meter weiter wohnt, gehört er nicht mehr zu „uns“?!

Ich war immer Pazifist und damit hat man es nicht leicht in Zeiten wie diesen. Man wird verspottet und naiv genannt. Doch lieber bin ich naiv als rechts. Lieber sehe ich die Welt mit Kinderaugen, als sie mit den verblendeten Augen mancher Mitmenschen zu sehen.

Die aktuelle Lage in Deutschland aus meiner Sicht als Beobachter

Jetzt wird unterscheiden zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen. Dabei haben wir beide mit dem von Europa erlangten Wohlstand in ihre Position getrieben. Warum ist niemals der schlecht, der aus Geld mehr Geld machen will, sondern wird zum Vorbild erkoren? Die aktuelle Flüchtlingspolitik Europas ist beschämend und endet viel zu oft – wie in Calais oder Mazedonien – mit mehr Sicherheitskräfte und mehr Abschottung.

Die aktuelle Diskussion finde ich wichtig, doch kaum jemand bezieht Stellung. Die EU ermittelt in diesen Tagen zu einem „Ausländerproblem“, nämlich dass „die Deutschen“ als „Ausländer“ im Disneyland Paris mehr zahlen müssen als „die Franzosen“. Der Verfassungsschutz ist mit Rechtsradikalen verknüpft, Politiker schweigen, die Denker und auch die Geistlosen des Landes, die sonst in jede sich bietende Kamera lächeln, halten sich im Moment zurück. Was ist mit euch los?

Es fing erst mit den üblichen Stammtischparolen an, doch diese schlagen nun immer mehr in Gewalt um. Menschen, die aus der Not vor Krieg und Elend geflüchtet sind, werden nun in Flüchtlingsheimen angegriffen. Wie abartig ist es Menschen, die vor Krieg fliehen, nach harter Reise in ihrem neuen Heim mit Böllern und Brandsätzen zu begrüßen. Es bleibt zu hoffen, dass die Menschen, die heute die Menschlichkeit mit Füßen treten, irgendwann selbst diese Erfahrung machen werden.

100 Jahre nach dem ersten Weltkrieg stehen wir vor einem Problem

Wie sehen denn unsere Politiker die Welt um uns herum? Thomas Strobl, ein Stellvertreter von Merkel und Schwiegersohn von Schäuble sagt: „Der Grieche hat jetzt lang genug genervt“. „Der Grieche“, diese Zeit sollten wir langsam überwunden haben. Reul (im EU-Parlament) legt nach: “Es gibt in Europa noch andere Staaten, denen es wahrscheinlich noch schlechter geht und die auch nicht jeden Tag rummaulen“.

Unsere Politiker verfallen in dieselben sprachlichen Muster wie viele Medien. Das ist gefährlich und bringt Menschen dazu, Neid und Wut gegen Menschen aus anderen Ländern zu entwickeln. Ich sehe mich als Kind Europas und noch nie als „den Deutschen“, der sein Land und seine Rasse verteidigen müsste. Scheinbar wird es Zeit für einen Generationswechsel in der Politik.

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Unser Vizekanzler reagiert und sitzt mit einem erfolgreichen Schauspieler im „Soho House“, während in wenigen Kilometern Luftlinie wartende Flüchtlingsfamilien und freiwillige Helfer von der Polizei mit Pfefferspray besprüht. Von diesem Treffen wird medienwirksam ein Foto veröffentlicht. Das ist das Ende von ernst gemeinter Politik. Immerhin Til Schweiger bezieht in diesen Tagen Stellung mit polarisierenden Aussagen, denen aber auch Taten folgen.

Und wie verhalten sich die Medien? Hier Screenshots zweiter Webseiten (sz.de / bild.de) vom 22. August 2015. Die auflagenstärkste Tageszeitung Europas schweigt am Tag nach den Ausschreitungen von Heidenau.

Rassimus Screenshots: sz.de und bild.de

Wie können wir vorgehen, um Rassismus in Deutschland zu bekämpfen?

Lieber heute als morgen würde ich mit meinem Wahlzettel Thomas Strobl meine Meinung sagen. Wer so über unsere Brüder aus Europa denkt, hat meine Stimme nicht verdient. Aber was mit den vielen Stimmen im Internet? Thomas Lückerath, Redakteur von dwdl, hat probiert Rassismus bei Facebook zu melden. Vergebens. Facebook prüfte und befand die Aussagen für gut.

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Diese Parolen stammten teilweise von Mitarbeitern von großen Handelsketten und Bundeswehr-Anwärtern. Ich mag den Mut, diese politische Meinungen offen zu teilen und seinen Arbeitgeber zu nennen. Gleichzeitig hoffe ich auf eine angemessene Reaktion der Arbeitgeber. Rassismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz bekommen.

Dennoch ist ein erster Schritt konsequent fremdenfeindliches Gedankengut aus Sozialen Netzwerken zu melden, denn hier entsteht der Nährboden für Gruppierungen und Versammlungen, die dann – wie jetzt in Heidenau – blind Gewalt gegen Fremde ausüben und hierbei sogar 31 Polizisten verletzen.

Fazit – Deutschland ist groß genug für Vielfalt

Statt über den Tellerrand zu denken, wird in Deutschland gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ protestiert. In diesen Momenten möchte ich weder Fremder, noch Deutscher sein. Es ist der Grundstein unserer Demokratie, dass Menschen unterschiedliche Meinungen haben sollen und dafür stehen können, ohne etwas befürchten zu müssen. Doch in der Ausländerdebatte machen es sich viele zu leicht. Es werden die Ärmsten der Armen gesucht, um einen Schuldigen zu benennen.

Dennoch denke ich, dass die große und überwältigende Mehrheit in diesem Land, die Menschen guten Willens sind. Das Problem liegt leider darin, dass es die schweigende Mehrheit ist. Jeder Mensch sollte dem Anderen helfen, nur so machen wir die Welt besser und haben Teil am Glück des Anderen.

Ich finde es gut, dass unsere Stadt sich offen zeigt und Flüchtlinge aufnimmt. Wir dürfen keinen allein lassen, der vor Hunger und Not flieht. Wir haben die Möglichkeit das Land der Dichter und Denker wieder mit Freiheit und Geist zu durchdringen. Unterdrückung, Hass und Intoleranz müssen ein Ende haben.

Ein Kommentar von Tobias Mahlberg, 23. August 2015

PS: es darf gern geteilt werden:

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