Tamworth – die Jukebox mit der Riesengitarre

Bingara, Goldsuche und die vergangene Welt von Tamworth

Backpacking Tag drei: heute geht es von Nundle nach Bingara. Weil die Strecke nur rund 200 km lang ist und durch weltbekannte Goldgräbergebiete führt, werden wir damit ebenfalls versuchen unsere Urlaubskasse aufzubessern. Außerdem führt uns der Weg über Tamworth, die Jukebox Australiens.

Es ist mal wieder 6:30h und ich stehe mit meinem Backpack vor dem Bus. Es ist so gar nicht meine Zeit, aber mir wird klar, dass es meine Zeit zu werden hat. Die Sonne geht langsam auf und ich erinnere mich an meine Kindheit, wie oft man wach wurde, einfach nur weil es hell wurde. Heute bestimmen Wecker unsere Zeit und jede Stunde im Bett ist irgendwie kostbar.

Nun also sind wir auf einer Schaffarm in Australien, ich denke an meine Kindheit und alles wird noch unwirklicher. Ich bin noch immer in Gedanken, doch wir sind schon dabei, den Anhänger mit unseren Rucksäcken zu beladen, damit die Tour bald starten kann. Nachdem alle Taschen verpackt sind, bekommen wir noch ein schnelles Frühstück – ringsherum gibt es ja schließlich nichts und weil wir wohl alle etwas missmutig schauen, werden uns noch die Tiere gezeigt, die typisch für die Region sind. Ein Schwein, ein Kamel… Ja Moment mal, einheimisch?! Ok, nun kommt das Wallaby. Ein Wallaby ist ein Känguru in süß. In viel süßer. Wir dürfen es streicheln und füttern und diese Uhrzeit fühlt sich plötzlich irgendwie doch ganz ok an.

Nachdem das Wallaby satt ist und keine Lust mehr auf kuschelbedürftige Touristen hat, beginnt unsere Tour mit dem Bus. Natürlich nicht ohne von den Farmleuten zu hören, dass wir die tollsten Gäste überhaupt waren. Auch das scheint hier normal zu sein, jeder wartet auf jemanden und jeder ist nett, richtig nett.

Tamworth – die Jukebox mit der Riesengitarre

Die Tour geht weiter wo sie endete, im Nichts. Felder und ein paar Bäume zieren die Landschaft oder sind die Landschaft. Kaum Gegenverkehr, kein Haus am Straßenrand und schon gar kein Handynetz. Den ersten Stopp legen wir am Chaffey Dam ein. Der Damm wurde zum  Hochwasserschutz, der Bewässerung und zur Wasserversorgung von Tamworth angelegt. Nett anzusehen und auch beeindruckend, dass an der Hauptstraße ein Damm gebaut wird, der für die Wasserversorgung verantwortlich ist. Das ist Australien. Man mag sich und man vertraut sich.

Wir machen ein paar Bilder am Damm und fahren weiter nach Tamworth. Einer der bekannteren Städte. Bekannt für ihre goldene Riesengitarre und das jährliche County Festival, zu dem rund 50.000 Jünger kommen. Auch das ist unglaublich, aber unglaublich toll. Wacken, Rock am Ring und Co. – alles hier. Ich gehe in das Infocenter direkt neben der großen Gitarre. Die Wände des Raums zieren von Stars und Sternchen unterschriebene Gitarren. Ich kenne keinen dieser Sterne, aber das kann und muss sich in den nächsten Wochen noch ändern.

Ein unscheinbarer Gang führt in einen weiteren Raum und gleichzeitig in die Vergangenheit. Ein ganzer Raum mit CDs, die zum Verkauf angeboten werden. Im von iTunes besetzten Deutschland sind diese Läden inzwischen rar und hier haben sie eine riesige Gitarre vor der Tür. Aus Verbundenheit würde ich eine Platte kaufen, aber nicht mal mehr mein Laptop hat ein CD-Laufwerk und so scheitern meine Versuche, eine Ära zu retten.

Plakate weisen mich auf einen dritten Raum hin – das Wachsmuseum. Jetzt wird es auch mir zu kitschig und ich will das Center verlassen, als mich ein netter Mann anspricht, ich hätte mir alles so interessiert angeschaut. Wir plaudern ein wenig über Musik, über die schönen alten Vinyls und natürlich werde ich zur Musik in Deutschland ausgefragt. Nein, es gibt nicht nur Rammstein in Deutschland, aber was denn dann typisch wäre? Ich würde ihm ja gern Helene Fischer zeigen, nur mit „Atemlos durch die Nacht“ kann ich den lieben Kerl ja dann doch nicht strafen. Ganz in Australien angekommen, bedanke ich mich für das Gespräch und dafür ihn getroffen zu haben. Natürlich lässt er das nicht auf sich sitzen und schenkt mit ein Poster der hiesigen Helene. Helenen gibt es wohl überall. Er will noch ein Foto machen und ich das Poster zurückgeben. Wir einigen uns auf genau diese Reihenfolge und ich kann das Haus der Vergangenheit wieder verlassen.

Nun geht es wieder in den Bus und wir bekommen die wichtigsten Fakten zu Tamworth präsentiert: benannt nach Tamworth in Staffordshire, England, leben hier heute 33.500 Einwohner. 1824 gegründet und bereits 1888 war es die erste australische Stadt mit elektrischer Straßenbeleuchtung. Neben dem Musikfestival gibt es hier noch eine blühende Agrarwirtschaft und einen Flughafen.

Goldschürfen in New South Wales

In Australien gab es mehrere Goldräusche. Der erste Fund war ein 40 kg schwerer Nugget, welcher eine Einwanderungsbewegung bewirkte und die Australische Bevölkerung binnen kürzester Zeit vervierfachte. Auch wir probieren heute unser Glück in einer der verlassenen Goldminen, also alle sagen Goldmine, aber eigentlich ist es nur ein Fluss.

Mal wieder im Nichts fahren wir von der Straße ab und nach rund 10 Minuten Schotterweg landen wir in einer interessanten Behausung, bestehend aus drei Wohnwagen und ein paar Brettern. Ein älteres Ehepaar begrüßt uns freundlich und kaum sind wir aus dem Bus, schon haben sie eine Plastikschlange in der Hand, um uns zu erklären, wie wir uns zu verhalten haben, sollten wir auf eine Treffen. Hier wirkt die Warnung sehr ernst. Hoffentlich halten mich die Schlangen nicht davon ab, den Wohnwagenpalast als reicher Mann zu verlassen. Doch es sind nicht die Schlangen, die mich davon abhalten, es ist das Wetter.

Es ist einfach zu heiß und der Fluss ausgetrocknet, in dem wir eigentlich schürfen würden. Als Ersatz hat das nette Ehepaar Erde herangeholt und wir können in installierten Waschbecken schürfen. Das macht es sehr künstlich und hat mit dem eigentlichen Goldschürfern nichts zu tun. Und reich kann ich so auch nicht werden, die großen Nuggets, auf die ich es abgesehen hatte, die es aber nicht mehr geben soll, werden wenn sie schon gefunden haben. Naja, ich finde ein paar kleine Stücke und bekomme sie in ein Röhrchen eingepackt. So bin ich nur um eine Erkenntnis reicher, der frühe Vogel fängt den Wurm. Obwohl ich früh aufgestanden bin, war es noch immer rund 100 Jahre zu spät. Kein Gold, keine Schlangen, aber nun wartet ein „traditional Aussie BBQ“ auf uns: Känguru-Fleisch, Würstchen, Burger und ziemlich gute vegetarische Fleischimitate.

Bingara und der Gwydir River

Weiter geht die Fahrt nach Bingara und seiner einzigen Sehenswürdigkeit, dem Gwydir River. Bekanntheit erlangte der Fluss, da er von Allan Cunningham für den Peel River gehalten wurde. Zur Zeit der Goldausgrabungen wurden hier auch Diamanten gefunden und so fand sich hier die Stadt Bingera ein, welche später in Bingara umbenannt wurde. Heute ist Bingara eine der wenigen Diamantlagerstätten in Australien und eine Art Florida, da die Stadt als Altersruhesitz genutzt wird. 38% der Einwohner sind über 65 Jahre. Insgesamt hat die Stadt allerdings auch nur 1.093 Einwohner.

In der Nachmittagssonne erreichen wir in sengender Hitze eine Pferderanch am Gwydir River, wo uns angeboten wird, für einen schmalen Dollar auf einem Pferd durch den Fluss zu reiten. Halt son‘ Frauending. So entschließen sich auch alle Frauen unserer kleinen Gruppe dazu, während ich mir lieber meine Badehose anziehe und so in den Fluss springe. So gefällt mir das Betrachten von Sehenswürdigkeiten.

Unser Hostel ist in dieser Nacht ein Hotel, das Imperial Hotel, das direkt neben der Ranch liegt. Viel mehr Unterkünfte hat diese Stadt auch nicht, so dass unsere Gruppe die einzigen Gäste in dieser Nacht sind. Ich bin in einem kleinen 6-Bett-Zimmer untergebracht und als wir unsere Rucksäcke im Zimmer haben, ist es auch schon übervoll.

Das Abendessen gibt es im Hinterhof unter freiem Himmel – Schnitzel mit Gemüse. Ist ja fast wie zu Hause. Dazu werden Cocktails und Cidre auf den Tisch gestellt. Wir sitzen noch lange draußen und reden über den Tag, die Welt und Unterschiede zu unserer Heimat. Und als es uns in die kleinen Zimmer zum Schlafen verschlägt, ist es noch immer viel zu heiß. Wir lassen alle Fenster und Türen offen, hier wird uns schon keiner klauen.

Fazit zu Bingara, der Goldsuche und Tamworth

Auch in down under weiß man Touristen mit netten Geschichten auszunehmen; Goldschürfen aus einem Fluss ohne Fluss ist schon ein mutiges Angebot. Die Menschen sind alle unglaublich nett, egal wohin man kommt und so entspannt, als wären sie selbst im Urlaub. Vielleicht wird man so, wenn man nur Urlauber um sich hat. Wir haben wieder viel im Bus gesessen, haben uns als Gruppe besser kennengelernt und gelernt, dass es sich auch ohne Handy ganz gut leben lässt.

 

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