Byron Bay Küste

Byron Bay – das San Francisco Australiens

Die heutige Etappe entlang der australischen Ostküste führt von Yamba nach Byron Bay, dem östlichsten Punkt des Kontinents. Byron Bay liegt ca. 800 km nördlich von Sydney und 200 km südlich von Brisbane. Die Stadt hat einen alternativen Ruf, da sich hier viele Aussteiger und Künstler niedergelassen haben.

Der Wecker ist wie immer kein guter Freund und reißt mich viel zu früh aus dem Schlaf in meinem Yamba-Doppelbett. Das war eine gute Nacht, endlich mal nach einer Woche nicht in einem 10er-Hostel-Zimmer zu schlafen.

Zu gut ist es allerdings auch nicht, so habe ich eine riesige Blase an meinem Fuß. Die Nacht zuvor verbrachte ich in Flip-Flops für 3$. Diese fliegen noch beim Aufstehen in Richtung Mülleimer. Mein Leben lang werde ich keine Flip-Flops mehr tragen, das ist sicher, denn jeder Schritt tut weh. Ich mache mich startklar, schnalle mir den Rucksack auf den Rücken und schlendere Richtung Bus, um noch etwas dösen zu können.

Surfen kann man nicht nur im Internet

Es liegen heute nur rund 120 km Fahrt vor uns nach Byron Bay, also werden wir uns sportlich betätigen, auf den Brettern, die Australien bedeuten. Nach etwas über 100 km Fahrt halten wir an einem unscheinbaren Parkplatz am „Lennox Head Surf Life Saving Club“, auf dem sich Surfbretter stapeln und viele Leute scheinbar nur „abhängen“. Wir schmieren uns dick mit der 50er-Sonnencreme ein und steigen aus dem Bus. Dort werden wir herzlich begrüßt und bekommen ein Badeshirt mit Sonnenschutz ausgehändigt, das wir direkt anziehen sollen. Ich war noch nie mit einem Shirt im Wasser, erinnere mich aber auch direkt an diverse Sonnenbrände an der Nordsee und halte es für eine ganz famose Idee.

Unser Surflehrer ist eine hagere Gestalt, braungebrannt, mit langen blonden Haaren und erfüllt einfach jedes Klischee eines Surflehrers.  Er heißt ebenfalls Tobias und seine Freundin kommt ebenfalls aus Düsseldorf. Wir reden über Altbier, Fortuna Düsseldorf, Unterschiede von Land und Leuten, wie sehr mich dieses Land verblüfft und wie klein die Welt eigentlich ist.

Nach ein paar Trockenübungen an Land bekomme ich mein Surfbrett und schmeiße mich todesmutig in die Wellen. Es ist nicht schwer und zu Beginn auch ganz lustig. Nach drei Versuchen stehe ich auf dem Brett und surfe, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Ok, ich konnte mich gerade so halten. Nach 30 Minuten war die Luft allerdings raus. Da man jede Welle irgendwie nehmen muss, da einem sonst das Surfbrett um die Ohren gedonnert wird, ist es deutlich anstrengender als erwartet. Ich verliere die Lust an dieser Sportart. Die ersten lungern schon am Strand rum und beginnen sich zu sonnen. Aufgeben mag ich nicht und surfen in Australien werde ich wohl auch nie wieder, also Blick auf die Welle und rauf auf das Brett.

Irgendwann ist auch diese Lektion vorbei, ich muss aus dem Wasser und mein Brett wieder abgeben. Duschen gibt es hier nicht. Um das Salz vom Körper zu bekommen, können wir in den angrenzenden „Lake Ainsworth“ springen. Ein See mit rotem Wasser. Eigentlich würde ich ihn nicht betreten, aber ich will den Sand loswerden und ich bin doch auch hier, um Neues zu erleben, also springe ich rein. Das Wasser riecht merkwürdig und niemand kann mir so recht erklären, woher die Farbe kommt – „Vermutlich von den Bäumen“. Egal, andere Länder, andere Sitten und ich mache dabei gern mit. Ich gehe aus dem Wasser, gebe mein Sonnenschutz-Shirt ab und freue mich auf Byron Bay.

Cape Byron Light

Bevor es in unser Hostel in Byron Bay geht, fahren wir zum Cape Byron Light, dem östlichsten Punkt Australiens und gleichzeitig dem hellsten Leuchtturm des Kontinents, rund 3km vor der Stadt. Immer diese Superlative in einem Land, in dem alles „awesome“ ist. Es ist Mittag und so verdrücken wir unsere Sandwiches, die wir auf dem Weg hierher kauften, sitzen im Schatten und starren auf das Meer.

Es wäre nicht Australien, würde in einem solchen Moment nicht ein skurriles Tier auf uns warten. Und so kommt es, wie es kommen muss: wie wir so in der Sonne sitzen und auf das Meer starren, brüllt plötzlich eine Stimme: „Can you see the dolphins?“. Es dauert nicht lange, bis alle ihre Schattenplätze verlassen und in die Mittagssonne springen, aber es dauert etwas, bis sie tatsächlich alle gesehen haben. Direkt vor uns, ganz nah am Ufer, schwimmt eine Gruppe Delphine. Es sind drei oder vier Tiere, die vor uns im Wasser tollen. Voller Mitgefühl schaue ich auf mein Tunfischsandwich und erfreue mich an dem Moment.

Witzig Fact: bei der Einweihung reiste der Premierministers John See von New South Wales mit einem Dampfer von Sydney an. Durch schlechtes Wetter konnte der Dampfer erst einen Tag später anlegen, wodurch die Einweihung erst am 1. Dezember 1901 erfolgte.

Byron Bay – Liberté, Égalité, Fraternité

Byron Bay ist eine Stadt mit rund 5.000 Einwohnern und gilt somit schon als größerer Hotspot. Bekannt ist die Stadt, da hier viele Künstler und Aussteiger leben, was man auch an jeder Ecke merkt.

Wir lassen die große Stadt mit ihren Gesetzen und Geboten hinter uns und treffen hier auf Beatniks, Freaks, Hippies und Stadtläufer. Überall in den Straßen von Byron Bay wird Musik gespielt. Sei es in einer Bar, in der eine Band für ein paar Bier spielt oder auf dem Gehweg, wo ein Mann mit einer Gitarre steht. Als ich Abends durch die Gassen schlendere fällt mir dieser Cohen Klassiker ein, der auch für Byron Bay hätte geschrieben sein können:

It’s four in the morning, the end of December
I’m writing you now just to see if you’re better
New York is cold, but I like where I’m living
There’s music on Clinton Street all through the evening.
I hear that you’re building your little house deep in the desert
You’re living for nothing now, I hope you’re keeping some kind of record.

Famous Blue Raincoat, Leonard Cohen

Byron Bay ist ein wunderbarer Fleck, in dem Menschen ganz entspannt miteinander leben. So krass der Unterschied zwischen Deutschland und Australien bisher für mich war, nicht weniger krass ist der Unterschied zwischen dem Australien der Ostküste bisher und diesem kleinen Eiland. Hier liebt man die Menschen, die Musik, die Freiheit und überhaupt alles, sogar die Tiere, wie ich in unserem Hosten feststellen muss.

Arts Factory Backpackers Lodge

Dieses Hostel in Byron Bay ist das schrägste Ding, in dem ich je eine Nacht verbracht habe. Neben einem festen Bau, mit ein paar Zimmern, Toiletten und Waschmaschinen gibt es eine Art Zeltstadt, umgeben von einem Tümpel. Im ersten Moment erschließt sich der Sinn nicht, beim zweiten Hinschauen erkennt man, dass Tiere und Gäste hier im Einklang leben.

Ich bin so mit der Natur im Einklang, dass ich nach einer Woche die erste Waschmaschine sehne und gleich für mich besetze. Alles auf 30° rein und schon ist der Inhalt meines Rucksacks wieder fit für die nächsten Etappen.

Im Einklang mit den Tieren stimmt im guten wie im schlechten Sinne. Es ist verrückt, dass hier Leguane und Co. frei rumlaufen und sich nicht irritieren lassen. Doch leider ist das Hostel auch von einem Tümpel umgeben. Als es gegen Nachmittag plötzlich zu Regnen beginnt, beginnt auch der große Mückenangriff. Binnen weniger Minuten habe ich über 20 Stiche, wo ich doch so gut mit Autan versorgt war, das nun eben im Rucksack war.

Erstaunlich ist hier auch der Anteil der Deutschen. Alle Gäste sind hier gut drauf und ständig auf der Suche nach Aushilfsjobs, verkaufen Surfbretter, Autos und Co. Selbst die Putzkräfte sind aus Deutschland und machen hier „Work and Travel“.

Auf dem Weg zur Toilette höre ich abends „Düsseldorf“
Ich erwidere „Düsseldorf?“
Die Antwort: „Ja, Düsseldorf!“
Ich: „Ach cool! Ratingen!“
Die Antwort: „Woher weißt du das denn?“
Ich: „Was?“
Antwort: „Dass ich aus Ratingen bin“
Aber ich bin doch…

So unterhalten sich eben nur Männer. Und nachdem wir uns lange genug Buzzwords an die Köpfe warfen, stellten wir fest, dass er der Bruder eines Bekannten von mir ist. So klein kann die Welt sein. Wir beschließen noch einen Wein zu trinken und schießen Fotos, die wir per Whatsapp an seinen Bruder senden.

Das ist für mich definitiv der denkwürdigste Abend. Am Ende der Welt ein fast bekanntes Gesicht zu treffen ist wie eine Kerze, die ein Mensch für einen ins Fenster stellt. Diese Stadt und diese Begegnung werden meine Reise beeinflussen, irgendwie bin ich in diesem Moment nicht mehr „auf Reisen“, sondern ich fühle mich „angekommen“.

Kanu mit Delfinen und Riesenschildkröten

Leider ohne Bilder, aber in toller Erinnerung, nehme ich an einer Kanufahrt teil. Je zwei Personen bekommen ein Kanu und so stechen wir in See, mit dem Versprechen unterwegs tolle Tiere zu sehen. Erstmal ist es leicht und macht Spaß, das Boot in die Wellen zu schippern. So fahren wir durch die Bucht und natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, die angemessenen Lieder zu singen.

Nach über einer Stunde ist unser Hunger geweckt, wir sind auf der Jagd und die Guides haben immer neue Idee, wo wir etwas sehen können, als plötzlich Delfine genau auf unsere Boote zukommen. Nicht mehr wir suchen die Tiere, die Tiere finden uns. Es ist ein tolles Gefühl, dass wir gar nicht als Gefahr gesehen werden und dass weder die Tiere uns angreifen, noch wir die Tiere. Eben typisch Byron Bay. Man lebt hier im Einklang und selbst auf dem Meer merkt man es.

Fazit

Die Welt ist klein und diese Stadt scheint meine Insel zu sein, die mich weiterträgt. Am anderen Ende der Welt Menschen zu treffen, die einem vertraut scheinen, ist ein ganz verrücktes Gefühl. Hier in Byron Bay hat diese Reise eine komplette Wendung bekommen. Statt in der Fremde zu sein, umgeben von gefährlichen Tieren und so gar nicht zu wissen, was einen erwartet, ist hier alles vertraut, die Menschen offen und über jeden einzelnen Künstler kann ich nur staunen. Möge es immer so sein, ich wäre gern noch länger hier.

 

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