Fraser Island – zelten auf der größten Sandinsel der Welt

Heute ist unsere Tour ca. 300 km lang und geht von Brisbane, entlang der Ostküste, nach Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt, auf der wir zwei Nächte zelten werden.

Ihr kennt es, es ist früh und wir springen aus unserem Hostel, weil eine unbekannte Insel auf uns wartet. Am Vorabend waren wir noch einkaufen, weil es das an Shops für die nächsten drei Tage gewesen sein soll – wir zelten auf einer Sandinsel mit ein paar Dingos, Schlangen, Spinnen und allem, was mich noch so fressen wollen wird.

In der Sprache der Aborigines heißt die Insel übrigens K’gari, was so viel wie „Paradies“ bedeutet. Die Insel gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Wir halten kurz an der Sunshine Coast für einen Kaffee, sonst passiert unterwegs nichts spannendes. Für ein letztes Essen an Land halten wir in River Heads, nur ein paar Meter entfernt der Fähre.

Im 4WD per Fähre auf Fraser Island

Straßen gibt es keine auf Fraser Island. Also es gibt Wege, die sind aus Sand und machen selbst einem Geländewagen wenig Freude. Deshalb ist es auch zu gefährlich dort selbst zu fahren. Im Gegensatz zum Schnee bleibt man wirklich schnell im Sand stecken, wenn auch nur etwas zu viel Luft in den Reifen ist. Auf unserer Tour bleiben wir mit einem erfahrenen Scout stecken. Straßenschilder sind eher grobe Hinweise, in welcher Richtung das nächste Camp ist.

Wie der Name vermuten lässt ist es eine Insel, die sehr naturbelassen ist, also gibt es auch keine Brücke. Es gibt eine Fähre, die nur ein paar Minuten für die Überfahrt auf die Sandinsel benötigt. Je nach Saison betragen die Kosten für die Überfahrten um die $170 inkl. 3 Personen.

Mein Zelt und die Dusche

Unser Zeltlager ist direkt am Strand, allerdings hinter einem Elektrozaun, damit Dingos von uns ferngehalten werden. Sie gibt es reichlich auf Fraser Island, nur leider sind sie nicht gut drauf, da sie wenig zu fressen finden.

Ich bin in einem 4er-Zelt untergebracht. Also kein Wasser, kein Strom, kein … es ist halt ein Zelt, in dem mein Schlafsack und ich Platz finden. Noch ein paar Monate zuvor hätte es mich Überwindung gekostet, inzwischen mag ich es sogar irgendwie.

Es ist früh dunkel und Licht gibt es hier nun mal nicht. Zum Glück bin ich aus diesem übervorsichtigen Land und habe als einziger von allen eine Stirnlampe, mit der ich sonst joggen gehe. Kann man sie wirklich tragen oder leuchtet man besser wie alle mit dem Handy?

Ab unter die Dusche, der Tag war lang. Es gibt ein Sanitärhaus für den gesamten Platz. Besonders beruhigt mich hier ein Schild mit der Aufschrift „Türe schließen, sonst kommen Schlangen, die auf der Suche nach Wasser sind“. Genau so habe ich mir eine Dusche vorgestellt. Zumindest gibt das Schild Antwort: Ja, ich werde die Stirnlampe tagen, als wäre ich ein Bergmann auf dieser Insel.

Beim Grillen aalt sich ganz gemütlich eine „Huntsman spider“ auf der Gasflasche des Grills.  Klingt okay? Die Übersetzung lautet Riesenkrabbenspinne. Es juckt natürlich keinen, man lebt ja mit allen Tieren im Einklang. Naja, was soll mir eine Spinne schon tun, die größer als meine Hand ist?

Dingos, Schlangen, Riesenkrabbenspinnen, eine Insel und ich. Tatsächlich hatte ich mir Australien genau so vorgestellt. Komisch nur, dass mir die geballte Ladung gerade gar nicht gefällt. Was soll’s, wir haben Wein mitgebracht und setzen uns damit an den Strand. Das Baden im Meer ist übrigens untersagt, hier lauern tückische Strömungen und Haie in dem Gebiet leben.

Dingos, Schlangen, Riesenkrabbenspinnen, Strömungen und Haie. Lasst uns über die tollen Seiten der Insel reden. Davon gibt es zum Glück reichlich und – ich darf vorweggreifen – ich habe die Reise überlebt.

Sehenswürdigkeiten auf Fraser Island

Lake McKenzie

Auf Fraser Island gibt es fast 200 Süßwasserseen, die extrem sauberes und klares Wasser besitzen. Bei Teilen der Seen handelt es sich um solche in einer Schicht aus schwebendem Grundwasser: Wasser, das über einer wasserundurchlässigen Schicht aus Coffee Rock (einem komprimierten Material aus Sand und organischen Bestandteilen) liegt.

Wir fahren zum Lake McKenzie – mit dem Sand im Wasser kann man sich tatsächlich die Zähne putzen! Unglaublich, wie klar ein See sein kann, der dazu sogar noch von Touristenmassen heimgesucht wird.

Wrack der Mahnen

Im Jahr 1935 lief an der Ostküste der Insel der ehemalige Luxusliner S.S. Maheno während eines für die Jahreszeit untypischen Zyklons auf Grund. Seither frisst sich der Rost Jahr für Jahr durch das Schiff und man kann ihm tatsächlich – also auf Bildern – beim Schrumpfen zuschauen. Es klingt komisch, aber es ist schon ein komisches Gefühl vor diesem riesigen Haufen Rost zu stehen.

Fraser-Island-Mahnen

Eli Creek

Eli Creek ist der groesste Frischwasserfluss von Fraser Island. Wir halten am Strand, dieser kleine Fluß fließt hier unscheinbar ins Meer.

Nach einer kleinen Wanderung führt eine kleine Holztreppe in einen Fluß. Das Wasser ist eiskalt und fast unwirklich klar. Wir laufen ca. einen halben Kilometer bis zum Strand. Im Wasser tummeln sich ausser uns ein paar Fische und wir sehen sogar einen Aal. Verrückt was ein kleiner Fluß in einem verändern kann.

Fraser-Island-Zelt-Eli-Creek_Panorama

Champagne Pools

Die Champagne Pools sind durch vulkanische Aktivitaeten geformte natuerliche Schwimmbäder. Um hierher zu kommen muss man sehr weichen Sand durchfahren, der vom Wind von der Meerseite auf die Insel geweht wird. Bei Flut strömt Meerwasser in die Pools und verursacht dabei kleine Blaeschen, die wie Champagner perlen. Es ist übrigens einer der wenigen Orte, wo man in Meerwasser baden kann – Grund: in die Pools kommen keine Haie.

Indian Head

Bis auf einige Gesteinsformen vulkanischer Herkunft, zum Beispiel Rhyolitgestein in Indian Head im Nordosten der Insel, besteht Fraser Island aus Sand. Das lassen wir uns natürlich nicht nehmen und bestiegen den Berg. Meine Hikings liegen im Zelt, schließlich war ich auf Pools eingestellt. Somit erlebe ich nun meinen ersten Bergaufstieg mit Flip-Flops – so langsam werde ich Australier. Wie schwer es doch ist, diesen typisch deutschen Sicherheitsgedanken abzulegen.

Die Zeit auf Fraser Island

Die Zeit vergeht wirklich schnell! Ich bin überrascht, aber an Tag zwei jucken mich auch die Tiere nicht mehr und ich kann mich voll mit der Natur beschäftigen. Das Handy hat schon lange keinen Empfang mehr und viel mehr als Eis, Sonnencreme und Zeitschriften gibt es auf dieser Insel nicht zu kaufen. Es ist tatsächlich ein guter Ort. Gut um hier selbst etwas zu verkaufen oder gut um die Zeit zu genießen – ich entscheide mich (zumindest vorerst) für Variante zwei.

Fazit

„Wie geil ist das denn?“! Mir lauerte hier so ziemlich alles auf, was es nicht gut mit mir meinen könnte, aber die Zeit war toll. Drei Tage ohne Handy, ohne Strom, nur mit sich selbst und einer unglaublich naturbelassenen Insel, die man besser nicht auf eigene Faust erkunden sollte. Nur wenige Tage vorher ist ein Tourist im Geländewagen verunglückt.

Fraser Island ist ein neues Highlight auf der Tour, an das ich mich gern erinnern werde. Und mal ganz unter uns, etwas enttäuscht bin ich ja schon, dass ich nur ein paar Dingos gesehen habe. Ob es die Tiere wirklich alle gibt?

 

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