Raspberry Lookout in den Regenwald

Yamba und der Raspberry Lookout im Regenwald

Heute führt unser Weg durch den Regenwald von Bingara nach Yamba, einem kleinen Fischerdorf an der Ostküste, rund 700 km entfernt von Sydney, umringt von wundervollen Stränden.

Es ist wie immer viel zu früh, als ich mein stickiges und heißes Sechsbettzimmer verlassen muss, um meinen Rucksack in den Bus zu bringen. Heute gibt es vor der Abfahrt noch ein gemeinsames Frühstück. Aus den Resten machen wir Wraps für die Mittagspause, die heute im Regenwald stattfinden wird. Das klingt beeindruckend. Also ist das Essen schnell erledigt, die Reste im Nu zu Wraps verwurstet und die Gruppe sitzt ungewohnt schnell im Bus, so dass sie Fahrt beginnen kann.

Wie bisher jeden Tag in Australien, führt die Straße vorbei an nichts außer viel Wiese, Bäumen und hin und wieder mal einem bewirtschaftetem Feld. Nach rund einer Stunde Fahrt beginnen die Bäume dichter zu stehen und größer zu werden. Plötzlich sind nur noch Bäume um die enger werdende Straße herum. Baum an Baum reiht sich das Panorama entlang der klapprigen, engen Straße, die immer öfter scharfe Kurven macht und deren Weg ständig von kleinen Flüssen gekreuzt wird – wir sind im Regenwald.

Raspberry Lookout – der Blick in den Regenwald

Faszinierend wie schnell aus dem Nichts mal wieder etwas unglaubliches geworden ist – so ist es auf diesem Kontinent nun mal. Das ist er also, der Regenwald, der Ort an dem verschollene Arten und gefährliche Tiere auf mich lauern werden. Während wir alle staunend aus den Fenstern gaffen, erklärt der Busfahrer, dass es sich um einen gemäßigten Regenwald handelt und hier im Schnitt mehr als 2000 mm Niederschlag pro Jahr fallen. Diese Mengen werden nur an den Hängen von Küstengebirgen durch landeinwärts gerichtete Seewinde erreicht, die Wolken gegen das Gebirge drücken und zum Regnen begeistern. An einem Schild „Raspberry Lookout“ fahren wir von der Hauptstraße ab und einen noch schmaleren Pfad hinauf.

Die Bäume lichten sich und am Ende des Pfads befindet sich ein Aussichtspunkt, der Raspberry Lookout. Von hier sind unendliche Weiten an Bäumen zu sehen, welche wenig bedrohlich wirken und einfach vorhanden sind. Es erstaunt mich noch immer, wie Menschen Straßen in diese massiven Baumwelten schlagen konnten und dabei Steigungen und Flüsse bedachten. Wer sich überhaupt ausdachte, man könnte diese Massen an Bäumen durchqueren. Und wie ich noch darüber nachdenke, stehe ich auch schon mit Flip Flops und Badehose mitten im Regenwald. Gut dass ich mich vorbereitet hatte und Wanderschuhe und Treckinghose im Rucksack sind. In Australien ist man eben spontan.

Wir bestaunen lange die unendlichen Weiten an Bäumen, welche sich gegenseitig zu überragen scheinen. Eine Landschaft, die man erstmal verdauen muss, wenn man aus dem Ruhrpott kommt und nur wenig Grün kennt. Es ist ein unwirkliches Bild. Ein paar Meter neben dem Bus steht ein mannshoher Termitenhügel. Man lebt hier eben im Einklang. Wie wir so staunen, werden wir auch schon wieder in den Bus getrieben und die Tour geht weiter; immer weiter entlang der B67, bzw. dem Gwydir Highway. Andere Straßen gibt es hier in der Umgebung auch gar nicht und eine B67 klingt auch noch so wunderbar deutsch.

Zwischen den Bäumen, die langsam wieder lichter werden, zeigt sich immer wieder ein Fluss, der mächtige „Mann River“. Als wir diesen überqueren ist Zeit für unsere Mittagspause. Der Haltepunkt hat zwei Bänke und ein Bioklo, das verdient in Australien natürlich einen Namen, der Rastplatz heißt „Marr Creek Rest Area“ und ist direkt neben dem Mann River, am Rande des Regenwalds. Ein schöner Ort mitten in der Natur und selbst Google ließ es sich nicht nehmen, hier seine Street-View-Wagen vorbeifahren zu lassen:

Wir verdrücken unsere mitgebrachten und inzwischen matschigen Wraps am Flussufer und ich denke an den Spruch, an der Wand, in unserer Bäckerei: „Es gibt kein hartes Brot, nur kein Brot und das ist hart!“. Auch wenn die Bäckerei rund 16.000 km entfernt ist, der Satz hat es in sich und so schaffe ich es sogar, mich an meinem tropfenden Stück Maisbrot zu erfreuen. Bei dieser Pause kommt dennoch wenig Freude auf, auch das Plumpsklo wurde inzwischen als unbrauchbar abgestempelt und wird nur in Notfällen verwendet. So fahren wir zügig weiter in Richtung Ostküste.

Es geht an die Ostküste nach Yamba

Die Straße ist seit dem Rastplatz wieder breiter geworden, die Bäume weniger und immer wieder fahren wir am reißenden Clarence River vorbei, an dem sich die Straße orientiert. Erstaunlich dass nach rund zwei Stunden plötzlich eine große Stadt aus dem Nichts auftaucht. Es ist Yamba, unser Ziel für heute Nacht.

Vor der Fahrt wurde uns gesagt, wir sollen uns Badeklamotten anziehen, nun verstehe ich wieso. Die Reise geht nicht direkt zu unserem Hotel, sondern an einen kleinen See zwischen lauter Felsen, der allerdings wegen Algen derzeit gesperrt ist. Nun saßen wir also stundenlang in Badesachen im Bus, um jetzt von Algen ausgebremst zu werden? Nicht mit mir. Ich nehme was mir an Mut bleibt, klettere auf einen Felsen und springe in das Gemisch aus Algen und Wasser. Erfrischend. Warm. Nett und trotzdem komisch. Rasch schwimme ich an Land und lasse mich in der Sonne trocknen. Typisch deutsch: jetzt ärgere ich mich, dass ich vorher nicht feststellte, dass hier ja gar keine Duschen stehen. Naja, eine Alge wird mir schon nichts können und wenn doch, so kann ich dagegen nun auch nichts machen.

Ein paar Engländer aus der Gruppe planschen noch im Wasser, das trotz Algen einladender als ihre Nordsee ist. Als auch sie aus dem Wasser klettern und von der Sonne getrocknet sind, geht die Fahr zum Hotel weiter. Es ist das Pacific Hotel und so liegt es natürlich direkt am Meer. Nach fast einer Woche in riesigen Zimmern, klingt das Wort Hotel wie eine wohltuende Melodie. Und Tatsache. Man steckt mich in mein erstes Doppelbett (Einzelzimmer) auf der Reise.  Es wird so unglaublich toll werden, mal ohne Schnarcher zu schlafen und endlich habe ich den Platz, meinen gesamten Rucksack auszupacken und zu sortieren.

Schwimmen im Yamba-Meer mit gefährlichen Quallen

Da das Hotel direkt an der Kleinen Bucht „Wooli Bay“ liegt und der Algentümpel eher eine Enttäuschung war, lassen wir uns nicht lange bitten, in das große Meer hinauszuschwimmen. Diese Sehnsucht nach Meer und Freiheit bekommt man einfach nicht aus dem Herzen raus. Mit einer kleinen Gruppe klettern wir also den Hang hinunter in Richtung Meer, werfen unsere Handtücher in den Sand und springen in den kalten Ozean, als wir bereits nach wenige Sekunden von Quallen umzingelt sind. Die Quallen sind groß wie Handbälle. Wir entscheiden uns sehr spontan aus dem Wasser zu springen und es braucht nicht viele Sprünge, bis wir wieder aus dem Meer sind. Nun sehen wir auch die toten Quallen auf dem Sand, die wie ausgebreitete Handflächen auf dem Sand liegen.

Wir merken, dass uns die Worte fehlen, um dies zu beschreiben und so stehen wir alle leicht aufgelöst am Strand und entdecken erst jetzt ein kleines betoniertes Becken in der Bucht. Es ist ein abgetrennter Bereich, der mit Meerwasser geflutet wird. Es ist vielleicht 25 Meter lang und 5 Meter breit, das war es dann mit der Freiheit, doch da das Wetter immer wärmer und schwüler wurde und wir eine Erfrischung nach den Bustagen brauchen, springen wir auch in dieses Becken. Das Wasser ist richtig warm und sehr salzig. Es ist nicht das Meer, aber trotzdem schön, ein paar Bahnen schwimmen zu können.

Auf dem Weg zurück ins Hotel sehen wir erst die großen Verbotsschilder vor dem Strandabschnitt, die aber nicht vom Privatweg des Hotels sichtbar waren. Glück gehabt. Und doch, etwas Stolz sind wir schon, endlich mal gefährliche Tiere gesehen zu haben. Aus der Ferne hätte es gereicht, aber die Erfahrung muss man machen und sollte sie für sich bewahren, Australien hat die schönsten Strände der Welt, doch sind sie oft leer, da die Quallen das Gebiet besetzt haben.

Abendessen und Yamba-Party in Flip Flops

Endlich geht es unter die Dusche und dann auch schon zum Abendessen. Weil wir eine so nette Gruppe sind – den Satz höre ich jeden Tag – hat man eine Auswahl der Karte für uns reduziert. Es sind keine kulinarischen Künste, aber bezahlbar und insbesondere gefallen mir langsam die Weinpreise. 5,50 $ für ein Glas. Wie auch zu Hause, aber hier sind es umgerechnet nur rund 4 Euro.

Nach dem Essen im Hotel folgt eine öffentliche Party im Essenssaal mit Live-Musik. Ich trage noch immer eine kurze Hose und Flip Flops. Zu Abendessen und zu einem Konzert. Das ist unglaublich, eine Party mit Flip Flops – awesome! In Deutschland hätten sie mich so direkt wieder zu den Quallen geworfen.

Erkenntnis des Tages

Mein Leben lang hasste ich Flip Flops und hatte den Drang Socken zu tragen. Weg! Trage seit Tagen welche für 2,99 $ und bin happy. Es ist schön sich auf anderen Kulturen einzustellen, wo man diese Dinger nur durch die Welt laufen sieht. Ein Restaurant oder eine Feier war ohne lange Hose und festes Schuhwerk für mich undenkbar, aber hier geht es.

 

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